Gentechnikfreie Zone Allgäu

Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.51, Dienstag, den 03. März 2009, Seite 33

1600 Bauern verzichten auf manipuliertes Soja und Saatgut

Sonthofen – Landwirte im Kreis Oberallgäu und in der Stadt Kempten haben die erste agrogentechnikfreie Region im Allgäu ausgerufen. Am Montag unterzeichneten 1600 der ungefähr 2200 Bauern in der Gegend Selbstverpflichtungen, dass sie in ihren Betrieben ohne Gentechnik wirtschaften. „Wir als Bauern sind uns unserer Verantwortung bewusst“, sagte die Hindelanger Ortsbäuerin Karin Agerer. „Wir wollen unsere Landschaft und Tiere so erhalten, wie sie sind, und uns vor unkalkulierbaren Risiken schützen.“

Die Teilnehmer an der Pressekonferenz: v. l. Karin Agerer, Elisabeth Waizenegger, Elisabeth Koch, Anton Klaotz, Moni Mayer

In der Erklärung bekunden die Bauern nicht nur, dass sie kein gentechnisch manipuliertes Saatgut ausbringen. Sondern, dass sie kein Futter auf der Basis von gentechnisch verändertem Soja in die Nahrung ihres Viehs beimengen. Das ist deshalb bedeutsam, weil im Allgäu fast nur Milchwirtschaft betrieben wird. Lange Zeit hatte es aber geheißen, es gebe praktisch kein gentechnikfreies Kraftfutter für Kühe mehr. Das hat sich als falsch erwiesen. Die Allgäuer Bauern können unter zwölf Anbietern von gentechnikfreiem Futtermittel auswählen.

Der Oberallgäuer Landrat Gebhard Kaiser (CSU) unterstützt die Initiative, die von Biobauern gestartet worden war und längst von einem breiten Bündnis getragen wird. „Zur Bewahrung und Weiterentwicklung unserer Region sowie als Standortvorteil ist die Agrogentechnik-Freiheit unverzichtbar“, sagte Kaiser. Nun wollen die Bauern das ganze Allgäu agrogentechnikfrei bekommen. Dazu müssen mindestens zwei Drittel der 10 000 Landwirte dort bekunden, dass sie keine Gentechnik einsetzen.

In ihrem Statement ging Elisabeth Waizenegger, die auf der Pressekonferenz die ABL und den Bio-Ring vertrat, auf die Entstehung der Bewegung ein. Sie würdigte dabei u.a. die gute Zusammenarbeit mit dem BBV Kreisverband, denn nicht überall setzen sich die Vertreter des Bauernverbandes so deutlich für die Agro-Gentechnik-Freiheit ein.
„Diese Bündnisarbeit“, so Elisabeth weiter, „ist sehr wichtig, denn nur wenn eine Bewegung auf vielen Füßen steht, hat sie eine stabile Basis, die Last kann auf viele Schultern verteilt werden, die unterschiedlichen Fähigkeiten, Kenntnisse und Kontakte vieler können genutzt werden und Informationen können weit gestreut werden.“