Ohne Gentechnik – füttern und kennzeichnen
Workshop zur neuen gesetzlichen Regelung für Akteure in der Lebensmittelverarbeitung, insbesondere dem Milch und Molkereisektor und dem Metzgerhandwerk (03.12.2008)
Zu diesem Thema fand auf Einladung des Bündnis Bayern für gentechnikfreie Natur und Landwirtschaft, der Regio Allgäu e.V. und des Bio-Rings Allgäu e.V. ein interessanter Workshop statt.
Stellvertretender Landrat Anton Klotz begrüßte die rund 40 Teilnehmer, Vertreter von mehreren Molkereien, Käsereien und Metzgereien.
Er verglich die Gentechnik mit Goethes Zauberlehrling, die Geister, die man rief wird man nie mehr los. Außerdem stellte er die Wichtigkeit der gentechnikfreien Erzeugung für das Profil der Allgäuer Produkte heraus.
v.l. Christine Räder, Geschäftsführerin Bio-Ring Allgäu e.V. Marion Ruppaner, Beauftragte für Landwirtschaft beim Bund Naturschutz, Thomas Damm, Prokurist bei ABCERT, Christian Streit, Beauftragter für das Metzgerhandwerk bei „Unser Land”, und Gerhard Gehring vom Landratsamt Oberallgäu.
Marion Ruppaner Landwirtschaftbeauftragte vom Bund Naturschutz stellte den Kreistagsbeschluss für eine Gentechnikfreie Region im Oberallgäu, der von den Grünen im Juni 2007 vorgebracht wurde als wegweisend und vorbildlich heraus.
Die Kennzeichnung „ohne Gentechnik” wird in Österreich bereits bei mehr als 400 Produkten angewendet.
In Deutschland ist die Kennzeichnung seit 2004 bei pflanzlichen Produkten, die aus gentechnisch veränderten Pflanzen hergestellt werden Vorschrift.
Seit Mai 2008 können auch tierischen Produkten wie Fleisch, Käse, Milchprodukten und Eiern „ohne Gentechnik” freiwillig gekennzeichnet werden, wenn die Tiere nachweislich ohne gentechnisch verändertes Futter gefüttert wurden.
Genutzt wird diese Kennzeichnung bereits von Campina, der Firma tegut, der Fleischerinnung Fürth und ihren Meisterbetrieben, von zwei Nudelherstellern und von Herstellern von Sojaprodukten und Goldmais.

Thomas Damm, Prokurist bei der Firma ABCERT aus Esslingen, einer anerkannten Kontrollstelle erläuterte die Eckpunkte der Kennzeichnung. Tiere dürfen nur mit Futtermitteln gefüttert sein, welche keinen Gentechnik Hinweis trägt. Das ganze muss kontrolliert und dokumentiert werden. Außerdem dürfen Tiere eine bestimmte Zeitspanne vor der Gewinnung der Lebensmittel nicht mit gentechnisch veränderten Futtermitteln ernährt worden sein. Bei Milchvieh beträgt sie z. B. 3 Monate. Vitamine und Medikamente dürfen mithilfe von GVO hergestellt sein- dürfen aber keine GVO enthalten.
Als nächster Referent stellte Christian Streit von „Unser Land” einer Regionalvermarktung rund um München sein Konzept vor.
Dem Verbraucher so Streit ist das Thema Gentechnik wichtig, aber er weiß einfach zu wenig.
Als Vorteil für die Deklaration „ohne Gentechnik” sieht Streit, das Alleinstellungsmerkmal für Handwerksmetzgereien, Schaffung von Verbrauchervertrauen, Sicherung der Absatzmöglichkeiten für heimische Schlachttiere und das Interesse des Handels.
Probleme beim Fleisch sind immer die Zukaufsteile, die saisonal gebraucht werden z. B. Rückensteaks in der Grillsaison oder Speck für die Wurst. Daher ist die Vernetzung so wichtig. „Unser Land” sucht deshalb einen eigenen Zerlegebetrieb, um solchen Bedarf zu decken.
Laut Umfrageergebnissen wünscht der Verbraucher GVO-freie Nahrungsmittel, will aber auch gerne mehr darüber wissen.
Bei der anschließenden Befragung der Teilnehmer ergaben sich folgende Schwierigkeiten. So will die Firma Ehrmann keine weitere Schiene fahren, „entweder stellen alle auf „ohne Gentechnik” um”, so Anton Schnur „oder es lässt sich nicht durchführen. Der Handel bestimmt den Preis und auch was erzeugt wird.”
Für die Firma AEW Kimratshofen erklärte Hermann Breher, dass bei einer Befragung unter den Bauern die Bereitschaft groß sei „ohne Gentechnik” zu arbeiten, aber da AEW keine Eigenmarkten herstellt muss auch die Nachfrage da sein und man wartet auf einen entsprechenden Auftrag.
Auch der Vertreter der Privatmolkerei Bergader aus Waging will keine 2. Schiene bei seinen 1500 Bauern fahren. Am besten alle Landwirte füttern keine gentechnisch veränderten Futtermittel.
Monika Mayer, Ortsbäuerin aus Krugzell stellte als Resümee der Tagung fest, dass bei vielen Bauern die Informationen zum Thema einfach noch fehlen. Wichtig sei es außerdem, dass sich ein Netzwerk bildet, bei dem man sich austauschen kann.